DER MANN MIT DEM TAKTSTOCK
(und der Trompete... und der Quetsche... und dem Klavier... )
Thomas Schwesinger
Der wichtigste Mann im Orchester steht bekanntlich nicht in der ersten Reihe, sondern davor. Er hält den Laden zusammen, bremst die Übermotivierten, treibt die Gemütlichen an und sorgt dafür, dass am Ende alle gleichzeitig aufhören zu spielen – meistens jedenfalls.
Ein Musiker mit Herz und Blut – und einem Taktstock, der selten Pause macht. In seiner Freizeit tüftelt er unermüdlich an neuen Stücken, die wie maßgeschneidert zum Orchester passen. Kaum
läuft etwas im Radio oder wird geäußert, legt er schon los. Seine Werke kommen gern im Rohzustand in die Probe – halb geschrieben, aber doppelt inspiriert. Nach dem ersten Durchspielen ist klar: Das wird was! Und schon warten alle gespannt auf die Fortsetzung, die gelegentlich für Überraschungen sorgt – da wird schon mal etwas durcheinandergebracht oder kreativ überbrückt, bis alles wieder passt.
Vom Dirigieren lässt er sich kaum abhalten – es sei denn, im Trompetensatz wird’s brenzlig. Dann greift er kurzerhand selbst zur Trompete und dirigiert eben von der Seite weiter. Still sitzen? Keine
Chance – da wird mit vollem Körpereinsatz mitgemacht.Mit Polkas steht er auf Kriegsfuß – sehr zum Unverständnis mancher Fans. Doch nach dem einen oder anderen hartnäckigen Publikumswunsch rutscht dann doch wieder etwas hinein, zwischen all den Hits und Medleys.
Bei den Proben macht ihm so schnell keiner etwas vor. Er gehört eindeutig zur Kategorie „immer da, wenn’s zählt“ – und meistens auch, wenn’s nicht zählt. Selbst mit verletzter Schulter steht er vorne, lässt sich vom Rhythmus mitreißen und gibt tags darauf mit einem Schmunzeln zu, dass das vielleicht ein kleines bisschen zu viel Leidenschaft war.
Ohne ihn wäre die Bande ganz schön aufgeschmissen – und der Einsatz garantiert verpasst.